Urs Schenker wurde am 27. Dezember 1931 in Hägendorf als ältestes von vier Kindern geboren. (Sein jüngster Bruder, P. Paul Schenker, wurde später ebenfalls Marianist.) Als begabter Schüler wurde Urs im Anschluss an die Primarschule nach Martigny im Wallis geschickt, um dort im „Collège Sainte-Marie“ der Marianisten Französisch zu lernen.

Bereits nach einem Jahr entschied er sich, das Ordensleben näher kennenzulernen und sich vertieft mit dem spirituellen und religiösen Bereich auseinanderzusetzen. Er besuchte das Lehrerseminar in Sitten, welches ebenfalls von Marianisten geleitet wurde, und das Noviziat in Middes (Kanton Fribourg).

 

In einem persönlichen Dokument, das Urs Schenker etwa anderthalb Jahre vor seinem Tod P. Leo Müller übergeben hatte, schrieb er:  „Ich weiss nicht genau, wann Maria in mein Leben kam. Sicher sehr früh. Meine Mutter betete oft an meinem Bett, als ich noch sehr klein war. Eines ihrer Lieblingsgebete war: ‚Jungfrau Mutter Gottes mein, lass mich ganz dein eigen sein…‘ . Als ich grösser wurde, betete ich dieses Gebet allein; es gehörte zu meinen täglichen Gebeten. Ich glaube, Maria nahm dieses Gebet ernst.“

 

Nach dem Abschluss der Ausbildung zum Primarlehrer folgte sein erster Einsatz in Altdorf (Kanton Uri).

Pater Leo Müller berichtete aus seiner persönlichen Erfahrung mit Urs Schenker: „Ich lernte Urs schon früh als Lehrer und spannenden Erzähler von Geschichten kennen. Es waren seine packenden Einführungen in die beliebten Geländespiele der Jungwacht in Altdorf. Er wusste uns zu motivieren und zu begeistern. Seine eigentliche Stärke war die Methodik, die Vermittlung des Wissens hin zu Mensch und Leben.“ Schon bald wurde er an die Universität Fribourg zum Weiterstudium geschickt, das er mit dem Lizenziat abschloss.

 

Danach unterrichtete er ein breitgefächertes Pensum im Walliser Lehrerseminar Sitten. Deutsch und Biologie waren seine zentralen Fächer, Film- und Medienkunde sowie Kunstgeschichte seine geliebten Zusatzfächer. Gerne sang er im Seminarchor mit und begleitete in vielen Gesprächen die jungen Menschen.

 

Da er sich seit Anfang seiner Tätigkeit auch der Begleitung des Ordensnachwuchses anzunehmen hatte, war ihm das Leben aus dem Glauben ein wichtiges Anliegen.

Er führte im Seminar auch eine Gebetsgruppe, an der unter anderen der spätere Abt von Einsiedeln, P. Martin Werlen, teilnahm.

 

Dieser charakterisierte seinen Lehrer mit folgenden Worten: „Die Begegnung mit Urs Schenker in meiner Zeit im Lehrerseminar (1977-1982) hatte für mich und meine Berufung eine grosse Bedeutung. Ihm verdanke ich einen neuen Zugang zur Heiligen Schrift, den regelmässigen Austausch darüber, das persönliche Gebet… Besonders beeindruckt hat mich in seinem Biologieunterricht, wie er mit uns umgegangen ist und uns die Augen geöffnet hat für die Schönheit der Schöpfung.“

 

Zusammen mit Pater Loretan und Pater Jossen wuchs Urs in das Apostolat mit Erwachsenen hinein und begleitete lange Zeit die Laiengruppen der Marianisten.

In seiner Tätigkeit als Vizeprovinzial von 1972 bis 1980 hatte er sich auch mit unserer Missionsstation in Togo (Westafrika) zu befassen.

Immer mehr wuchs in Urs Schenker der Wunsch, Priester zu werden. In der Regel müsste dies den Oberen vor Ablegung der ewigen Gelübde mitgeteilt werden. Er legte sein Anliegen dennoch vor und wurde von seinen Mitbrüdern unterstützt.

 

Die Ordensoberen baten ihn, sein Studium mit der Betreuung der jungen Togoer Marianisten in Abidjan (Elfenbeinküste) zu verknüpfen, die eben ihre Einführungsjahre ins Ordensleben abgeschlossen hatten. Von 1986 bis 1988 studierte er also Theologie im Institut catholique in Abidjan und begann anschliessend in Fribourg die Vorbereitung auf das Priestertum. Am 2. Juli 1989 wurde er in Hägendorf, seiner Heimatgemeinde, durch Bischof Otto Wüest zum Priester geweiht.

 

Eine neue segensreiche Tätigkeit begann, anfänglich in Martigny, dann in Fribourg. Von 2000 bis 2009 war Pater Urs unser Regionaloberer in der durch die Verselbständigung der Region Togo und wegen vieler Todesfälle immer kleiner werdenden Gemeinschaft der Schweizer Marianisten. Er tat, was sich in der Zeit aufdrängte und einer Lösung bedurfte.

 

Nur vier Jahre waren ihm im Anschluss an die lange Zeit als Verantwortlicher bis zu seiner schweren Erkrankung im Jahre 2013 gegeben. Nach einem Spitalaufenthalt wurde er ins Pflegeheim St. François in Sitten aufgenommen. Hier fühlte er sich wohl. Bei ausgezeichneter und einfühlsamer Pflege konnte er die letzten Monate seines Lebens verbringen, regelmässig besucht von seiner Schwester Hedi, seinem Bruder Paul und den Mitbrüdern aus Sitten.

 

In der Nacht zum 1. August 2015 ist Pater Urs friedlich eingeschlafen und hat dem Schöpfer sein Leben zurückgegeben.

Gott schenke Pater Urs Schenker den Frieden in Ewigkeit!

 

 

Die Biographie beruht auf der Predigt von P. Leo Müller anlässlich des Beerdigungsgottesdienstes in der Kathedrale von Sitten.

Pater Urs Schenker (1931-2015)